Manchmal kommt man auch über Umwege zu einem Date. Eine Freundin empfahl ihr einen alten Kontakt aus dem Datingportal mit den Worten: "Bei uns ist der Funke zwar nicht übergesprungen, aber vielleicht wäre er etwas für dich. Ist ein ganz Netter und er sucht was festes!"
Das klang doch mal annehmlich: geprüft im Bekanntenkreis, gutaussehend, fest im Job, keine bekannte seltsame Neigung und den Wunsch nach Beständigkeit - Jackpot! Man tauschte also Nummern aus und begann ein lockeres Kennenlernspiel über - wie es heutzutage so ist - Whatsapp.
Die Freundin hätte ja schon viel über einen erzählt und man wisse ja dann, dass man sicher eine tolle Person wäre, gutaussehend, charmant und nett. Soweit so gut. Die Kommunikation ging erstmal nicht über Whatsapp hinaus. Man tauschte Interessen aus, welche Musik hörst du, welche Filme magst du usw. Auch Fotos wurden versandt: er auf dem Weg zur Arbeit, sie beim Spazierengehen...nun, das eine Foto, auf dem er sich als sehr kontroversen politischen Zeitgenossen darstellte, kam ihrem Humor in keinster Weise entgegen und erschütterte für den Moment alle Nettigkeiten, die sie vorher ausgetauscht hatten. Er bemerkte es. Ruderte zurück, entschuldigte sich tausendmal, es wäre nur ein dummer Jungenstreich gewesen. Sie verzieh ihm und löschte das Bild.
Im Laufe der Unterhaltung wurden die Fragen zunehmend intimer, aber sie lies sich nicht aus der Reserve locken, diesmal sollte es ja was echtes werden, auch wenn sie nicht hintern Berg damit hielt, dass ihre Figur auf jeden Fall sehr ansehnlich wäre. Er sprang natürlich sofort darauf an und beglückwünschte sie zu ihrem - in froher Erwartung - ansehnlichen Körperbau. Sie schlug vor, an einem Freitagabend etwas trinken zu gehen, um sich endlich einmal persönlich kennenzulernen und zu prüfen, ob die Sympathie in der Realität Bestand hat. Als Ort kam ihr eine Bar mit Blick über Berlin in den Sinn, die sich in einem Hotel befand. Die Entscheidung von ihr fiel ohne Hintergedanken: die Bar war hübsch, sie war verkehrsgünstig gelegen und man konnte über die ganze Stadt sehen, die am Abend in ein wunderschönes Licht von Laternen und buntem Treiben der Hauptstadt getaucht war. Perfekt! Er nahm das natürlich zum Anlass darüber zu scherzen, dass sie sich gleich ein Hotelzimmer nehmen könnten...zwinker, zwinker...oder dass sie nur im Mantel kommen könnte...Naja, Männerphantasien.
Es war der Abend vor Valentinstag, der Abend des Treffens war gekommen. Sie nahm sich vor etwas später zu erscheinen, um nicht den Eindruck zu erwecken, es wäre besonders wichtig. Und dort saß sie nun, in der Lobby, 10min, 15min....er schrieb ihr über Whatsapp, wo sie denn wäre. Nun, augenscheinlich war er in einer anderen Bar, aber bemüthe sich, die Zeit aufzuholen und schnell in die richtige Location zu finden. Nach einer halben Stunde Verspätung traf er endlich ein, man begrüßte sich freundlich und umarmte sich. Er war sichtlich angetan von ihr. Wahrscheinlich waren seine Augen nicht nur auf ihre gerichtet; sie allerdings bemerkte, dass er kleiner war als sie annahm. Macht nichts. Auf die Größe kommt es nicht an, also ab in den Fahrstuhl und hoch in die Bar, in der sie am Fenster ein schönes Plätzchen ergatterten. Er wirkte gestresst, aber froh, endlich angekommen zu sein. Sie bestellten sich Getränke und begannen über die Arbeit zu sprechen, ein guter Einstieg.
Ziemlich schnell fühlte er sich zu ihr hingezogen, rückte näher heran (er könne sie so schlecht verstehen da es ja so laut ist. Und in der Tat machte sich eine Live Band daran, für Stimmung zu sorgen, was ihm ganz und gar nicht gefiehl.). Innerhalb von Sekunden hatte er seine Hand auf Ihrem Oberschenkel und merkte an, was sie für tolle Brüste habe. In solch einem Moment kannst du zwei Dinge tun: 1. du gehst. 2. du lachst darüber hinweg. Für den Ausgang des Abends war ihr klar, in welche Richtung es gehen würde, wenn sie wollte. Er stieg sofort in das Thema "Brüste" ein: er hätte mal eine Ex-Freundin gehabt, die hatte sogar unechte, große Brüste, das fand er super, hat aber auch nicht viel mehr im Bett gebracht. Ja, das ist, was Frauen hören wollen...Im Großen und Ganzen hatte er nun das Gefühl, sich in der Hinsicht vollkommen zu öffnen. Ok, neue Geschichten hört man sich gern mal an und man entscheidet dann selbst, ob man zu ihnen zählen möchte oder nicht. Sofern er nicht immer auf das Thema Sex zu sprechen kam, war er ein unterhaltsamer Zeitgenosse, der sich alsbald von der Live Musik so sehr gestört fühlte, dass er vorschlug, die Location zu wechseln.
Da er mit dem Auto gekommen war, fuhren sie gemeinsam in eine andere Bar in Friedrichshain. Das Auto stand gefühlte 100 km von der alten Bar entfernt und es war ein Smart...ein Anzugtyp im Smart. Es hätte schlimmer sein können. Sie fuhren also in eine gemütliche Cocktailbar mit großen Ledersofas, in der kaum noch ein Platz zu finden war. Es blieb nur die Möglichkeit, sich eine kleine Couch zu teilen. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt, Reisen, Arbeit, Familie - er war ein guter Erzähler, aber er suchte ihre Nähe. Also probierte er seinen Arm um sie zu legen, was auf der Couchlehne kein Problem darstellte und dennoch eine gewisse Distanz erlaubte. Sie saß mit verschränkten Armen neben ihm und hörte sich nun all die Geschichten an, die er in seiner sexuellen Laufbahn gesammelt hatte. Er hatte auch eine besondere Vorliebe, um nicht zu sagen: er war Experte auf einem Gebiet! Das Lecken bereitete ihm große Freunde und den größten Erfolg verbuchte er, in dem er innerhalb von einer Nacht auf diese Weise einer Frau 8 Orgasmen verschaffte! Ja, 8! Was für ein Held! Sie wollte weder in den Genuss seiner unwiderstehlichen Gabe kommen noch eine von den Frauen sein, die er zum Höhepunkt leckte. Er redete sich richtig in Rage, sie hörte aufmerksam zu als wollte sie ihm die Möglichkeit geben, sich einmal richtig auszulassen. Das Thema schien sehr dominant. In einem zarten Moment versuchte er - nachdem er seinen Kopf auf ihre Schulter legte (gewiss wollte er lieber an ihrem Busen schmusen) sie zu küssen. Doch sie blockte ab und er lenkte ein: "Wenn du das nicht möchtest, ist es ok! Du sollst es ja auch wollen." Aber nein, sie wollte nicht. Einige Gespräche später nahm er seine Chance wahr und küsste sie, mit Zunge, kurz und heftig. Noch nie in ihrem Leben hatte sie eine so große Zunge in ihrem Mund. Ihr fiel ein Vergleich ein: Waschlappen. Dass er damit Frauen in der unteren Region beglücken konnte, war für sie durchaus vorstellbar, nur beim Küssen war es weder angenehm noch sprang ein Funke über. Der Waschlappen bahnte sich schwer und nass den Weg zwischen ihren Kiefer. Damit war die Sache eigentlich erledigt. Es blieb bei dem kurzen Kuss. Ein Nachschlag war nicht gewünscht.
Sie zahlten ihre Getränke und er fuhr sie nach Hause, wo er wieder versuchte, ihr einen Abschiedskuss zu geben, doch sie machte ihm deutlich, dass sich dies nicht wiederholen würde. Autotür auf, Autotür zu, gute Nacht und gute Reise.
Nach diesem Abend war ihr klar, dass auch er nicht ihr Märchenprinz werden würde. Sie musste zwangsläufig an Sex and the City denken (ihr kennt sicher die Folge mit Mr. Mu****?). Amüsiert, fassungslos und etwas angewidert ging sie ins Bett.
Am nächsten Morgen erwachte sie und erblickte eine Nachricht von ihm auf ihrem Handy. In dieser stand: "Ich wünsche dir einen schönen Valentinstag! Der Abend mit dir war sehr schön und ich würde dich gern mal auslecken." Sie sahen sich nie wieder.
Vielen Dank für diese Geschichte.
super amüsant, ich freue mich auf noch mehr geschichten! sehr schön geschrieben, weiter so! :-)JohSto
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