Nach einigen Jahren als Single und immer mit der Frage
im Kopf: „Kommt da noch einer und wenn ja, woher?“ sprach ihr die Bekannten gut
zu: „Versuchs doch mal, bei mir hats doch auch funktioniert.“ Versuchen
bedeutete, sich doch bei einem anderen Online-Portal für wahrscheinlich
niveauvolle Single aus der Umgebung anzumelden und wenn es funktionierte, wäre
sie genauso glücklich wie ihre Kollegin, die dort ihren jetzigen Freund
kennengelernt hatte.
Nach einer Reihe von Dates mit Deppen, Neurotikern,
Idioten und Lustmolchen stellte sich sie die Frage, ob sie diesen Versuch noch
einmal wagen sollte, immer mit dem Hintergedanken: Aber was ist wenn es doch
wieder eine Enttäuschung ist, was ist wenn sie wieder verletzt wird und leiden
muss?
Ganz nach dem Motto, wer nicht wagt der nicht gewinnt
und dem positiven Beispiel ihrer Bekannten im Blick packte sie die Gelegenheit
beim Schopfe. Aber sie schwor sich, dass es der absolut letzte Versuch sein
sollte, um einen Mann über das World Wide Web kennenzulernen.
Sie installierte die App und legte los. Wirkte jemand
unsympathisch wischte man nach links und lehnte den Mann ab. Ein Wisch nach
rechts bedeutete „sieht nett aus“. Das Leben kann so einfach und oberflächlich
sein. Ein Wisch und dein Leben könnte sich verändern…oder auch nicht.
Irgendwann hatte sie ein so genanntes Match – das
bedeutete, sie und er hatten jeweils nach rechts gewischt (klingt irgendwie so
als hätte man zusammen geputzt, was für eine Diskussionsgrundlage für später.)
Es stellte sich heraus dass man sich nett fand und zumindest die gleiche
Sprache sprach. Es wurden Handynummern ausgetauscht und die Kommunikation wurde
auf einem anderen Kanal weitergeführt. Obwohl er bereits Vater und noch verheiratet
war, schreckte sie dies nicht ab. 1. Was erwartet man ab Mitte 30 von Männern?
Dass die Schönen und Attraktiven unangetastet warten, dass man sie auf eine
Dating-App findet? Kinder sind heutzutage ja kein Problem mehr, man arrangiert
sich damit, dass jemand ein Vorleben hat und ist jemand ein guter Vater
wirkt das auf Frauen auch ganz bezaubernd. 2. Er lebte getrennt und war frei
für eine neue Bekanntschaft.
Sie mochte die Art wie er schrieb: locker, frech,
sympathisch. Er wollte mehr Bilder sehen, wahrscheinlich um zu sehen ob nicht
doch ein Fake hinter diesem netten Gesicht aus dem Onlineprofil steckte.
Da sie sich beide gefielen, verabredeten sich an einem Donnerstag. Er
holte sie ab, ganz Gentleman. Sie freute sich auf diesen Abend und als er vor
ihr stand, machte ihr Herz einen kleinen Sprung vor Freude. Es schien sich
etwas anzubahnen, denn in den meisten Fällen gehen wir Frauen heutzutage ohne
Erwartungen an ein Date, doch er hatte sich bereits in ihr Herz geschlichen.
Sie musste vorsichtig sein, da ihre letzten Erfahrungen ihr vieles gelehrt
hatten. Aber sie war auch einfach gespannt was sich hinter dem charmanten Mann
verbarg. Er erzählte ihr, dass er eine gewisse Abneigung gegen die
öffentlichen Verkehrsmittel hatte. Sie überredete ihn dennoch, gemeinsam
die S-Bahn zu nutzen und so fuhren sie zu einem thailändischen Restaurant im
Prenzlauer Berg.
Sie konnte den Blick nicht vom ihm abwenden, er hatte
es ihr wirklich angetan und sie begann, sich im Stillen zu fragen, was dieser
attraktive Mann von ihr wollte. Ob er auch einen schönen Charakter hatte,
stellte sich im Laufe des Abends heraus. Beide erzählten aus ihrem Leben. Sie
lachten viel und gingen nach dem Essen noch in eine Bar. Dort verweilten sie so
lange bis sie die Letzten waren und schon die Stühle hochgeklappt wurden. Es
war ein toller Abend, dachte sie mit Herzchen in den Augen und hoffte auf ein
Wiedersehen.
Es muss wohl kurz vor Mitternacht gewesen sein als sie
vor ihrer Tür standen und sich verabschiedeten. Sie war sich unsicher, ob sie
ihn umarmen sollte oder nur die Hand geben. Das klärte sich, sie hatte beiden
das Bedürfnis, sich zu umarmen und dann ging er. Wie in Zeitlupe stand sie da,
lies den Abend Revue passieren und schaute ihm nach als er plötzlich noch
einmal zurück kam und sie küsste. Es ist einer dieser Momente, die uns klar
machen, dass man sich auf jeden Fall wiedersieht. Es war magisch und
romantisch, es hätte nur noch anfangen müssen zu regnen und es wäre wie im
Film. Dann ging er und sie stand gedankenverloren, aber glücklich vor ihrer
Haustür.
Und sie fragte sich: „Wo der Haken ist? Wie kann es
sein dass man nach so langer Zeit wieder ein vernünftiges Date hatte?“
Irgendwas war doch immer.
Tatsächlich hatte er wohl Sorgen, dass die Chemie
nicht stimmen könnte, aber das Gefühl hatte sie nach diesem Abend ganz und gar
nicht, sie fühlte sich wohl und so trafen sie sich ein weiteres Mal
diesmal bei ihr zu Hause. (Ja, wir Frauen wissen um diese Gefahr: Zuhause heißt
immer: es geht ums Ganze. Es wird privat. Es könnte was passieren. Bei den
Herren der Schöpfung mit weniger Einfühlungsvermögen, einer ausgeprägten Libido
und einem dumpfen Fleck im Kopf gibt es sogar die Gleichung „Treffen zuhause =
Sex“. Cool, fahr ich mal los und benutze Deo.) In diesem Fall aber, war es ihr
ein Anliegen, ihn in ihr Leben zu lassen und in einem vertrauten Raum mit ihm
allein zu sein und sich wohlzufühlen.
Sie redeten, sahen sich an und das Bauchgefühl
entschied. Aus einem Kuss wurden viele weitere und daraus wiederum das Gefühl
sich sehr nahe kommen zu wollen. Sie schliefen miteinander. Aber sie hatte
Angst, Angst vor Enttäuschung, Angst, dass dieser wunderbare Mann wieder nur
einer von vielen werden würde, dass sie nur wieder eine von vielen war, dass
diese Verbindung nicht blieb oder wachsen könnte. Er spürte wohl, dass sie
währenddessen nicht bei der Sache war und sich nicht fallen lassen konnte. Sie
hatte Angst sich zu verlieren, dass es falsch war schon nach so kurzer Zeit so
weit zu gehen. Aber verdammt!! sie wollten es genau in diesem Moment beide und
seine Nähe war so schön und das Gefühl so warm…Sie wollte ihn unbedingt spüren,
mit Haut und Haaren.
Sie trafen sich danach noch mal und noch mal, aber
diese Furcht wollte sich einfach nicht abstellen lassen und er schaffte es
nicht sie zu befriedigen… Sie wollte mehr und sie hatte Angst, er fühlte nicht
genauso. Ihre Unsicherheit beeinflusste die Treffen. Sie wusste nicht, woran
sie war, aber sie wusste, was sie wollte.
Und bei ihrem einzigen Telefongespräch, welches sie nach
ein paar Tagen hatten, war er anders - abwesend, reserviert. Vielleicht lag es
auch daran, dass er im Auto unterwegs war, aber so ein komisches Gefühl machte
sich in ihr breit. Die Intuition einer Frau lässt sie in solchen Fällen nicht
im Stich denn er schrieb ihr: Er mag sie, aber der Funke ist nicht so recht
übergesprungen. Aber man könnte sich ja doch weiterhin sehen.
„Der Funke springt nicht über.“ ist eine mittlerweile
gängige Absage, um den anderen nicht zu verletzen, aber auch nicht im Dunkeln
zu lassen über mögliche Gefühle. Es ist sozusagen die Allzweckwaffe des
Online-Datings, wenn es mal doch nicht so hinhaut. Es sagt aber gar nichts aus,
nur: ich spüre nicht das, was ich gern wollte bzw. du gern möchtest. Aber Liebe
kommt eben von allein oder nicht.
Seine Nachricht las sie als sie gerade arbeiten war
und von einer Sekunde auf die nächste war ihre gute Laune verflogen, es traf
sie und ihr Bauch hatte recht behalten….Sie schrieb ihm, was ihr einige Stunden
vorher durch den Kopf ging: bei ihr war es anders, er war ihr wichtig und sie
fühlte sich sehr zu ihm hingezogen und nicht nur körperlich. Sie schrieb ihm
alles, was ihr durch den Kopf ging und gab ihm eine ehrliche Rückmeldung.
Traurig zog sie sich mal wieder in ihr Schneckenhaus zurück. Es war
Funkstille.
Nach einiger Zeit meldete er sich unverhofft bei ihr
und fragte, ob sie sich sehen konnten. Insgeheim hatte sie darauf gehofft, dass
ein paar Tage ins Land gingen und er sich bewusst wurde, ob sie ihm fehlte. Ein
Schritt auf sie zu und man könnte alle Unstimmigkeiten aus der Welt schaffen.
Sie wollte ihn gern sehen und herausfinden, ob es so war, denn er ging ihr
nicht aus dem Kopf. Vielleicht war ein Abbruch zu früh und sie müssten sich
eine Chance geben. Also trafen sie sich und der Abend war so zauberhaft, dass
sie völlig befreit und glückselig mit ihm schlief. Ihr Geschenk war in dieser
Nacht ihr erster multipler Orgasmus.
Ob es weitergeht oder nicht…die Zeit wird es zeigen…
Vielleicht ist dies der Anfang einer kleinen
Liebesgeschichte. Das Ende halten wir hier offen, die Hoffnung soll bleiben.
Das Credo lautet: „Nicht hoffen, nicht erwarten, nicht befürchten…Ist das der
Schlüssel zum Glück?“
Aber Ihr Vorsatz lautet: keine Onlinedates mehr.
Vielen Dank für diese Geschichte zum Valentinstag!